Sokrates über Wahrheit und Selbsterkenntnis
Sokrates und die Wahrheit
„Solange ich noch Atem und Kraft habe, werde ich nicht aufhören der Wahrheit nachzuforschen und Euch zu mahnen und aufzuklären und jedem von euch, mit dem mich der Zufall zusammenführt, in meiner gewohnten Weise ins Gewissen zu reden.“ (Apologie, 29d)
Geboren wurde Sokrates in Athen im Jahre 469 v. Chr. In seiner Jugend war Sokrates Schüler des Philosophen Arcelaos, später übte er sich selbst in Philosophie ohne es niederzuschreiben und ohne etwas dafür zu verlangen. Materieller Besitz bedeutete ihm nicht viel und deswegen geriet er auch in Armut, wofür er viel Missmut erntete.
Durch sein Leben hinweg als Philosoph beschäftigte er sich mit ethischen Grundsätzen, um so die Menschen und die Welt besser zu verstehen. Im Zuge dessen entwickelte er die philosophische Methode eines strukturierten Dialogs, welcher auch in der Wissenschaft oft zitiert wird. Seine Lehren beruhen auf die Logik und das Wissen.
In meinem kurzen Artikel möchte ich gerne auf das immerwährende Streben nach der Wahrheit und Selbsterkenntnis in seiner Methodik und Denkweise eingehen, die zu einem festen Bestandteil seines Dialogsführens wurde.
Zur Quelle habe ich mich „Xenophons Erinnerungen an Sokrates“ bedient.
Gesunder Menschenverstand – die Logik
Eine seiner Eigenschaften war, dass er auf den Straßen Athens wildfremde Menschen ansprach und sie nach den Zielen und dem Sinn des Lebens fragte. Das Gespräch wurde so weit geführt, dass sein Gegenüber ein wehmütiges Bereuen seiner verflossenen Zeit einstellte und ab diesem Zeitpunkt bohrte Sokrates weiter und weiter, bis sich seine wahre Motivation hinter seinem Handeln manifestierte.
Er stellte Unmengen an Fragen, bis sich beim Gegenüber herauskristallisierte, dass maßgeblich die Popularität bzw. die Anerkennung ein erstrebenswertes Ziel war, aber entsprach es auch der Wahrheit? Der Rechtschaffenheit?
Sokrates mahnte seine Mitmenschen mit seiner akribisch Art, den Dingen auf den Grund zu gehen, sich ständig selbst zu reflektieren, seinen Gedanken Raum und Zeit zu geben, nachzudenken und sich seiner selbst zu bekennen.
„In dich selbst ziehe Dich zurück, die in uns gebietende Vernunft ist ja von der Natur, dass sie im Rechttun Heiterkeit und Selbstzufriedenheit findet“ (Apologie)
Für Sokrates war eine Aussage erst dann richtig, wenn ihr vernünftigerweise nicht widersprochen werden konnte.
Die Wahrheit, sofern man diese erlangen kann, liegt in einer Aussage, die sich nicht widerlegen lässt. Wenn man in der Lage ist zu erkennen, was NICHT ist, kommt man dem, was IST, schon näher.
Das Gespräch wurde durch Vernunft und Wissen geführt, die die Argumente formten, um so dem Wahrheitsgehalt und dem Ziel näher zu kommen.
Seine Wahrheit bzw. Selbsterkenntnis
Sokrates war der Meinung, dass die Welt vielschichtiger sei, als sie den Anschein hätte. Jeder der über Neugier, Wissensdrang und Verstand verfügte, würde mit seinem Gesprächspartner schnell an einem Punkt kommen, an dem ein Richtungswechsel stattfinde, ein Gedanke, der herausfordere. Und genau hier sollten die Vernunft und die Logik einsetzen, um der Wahrheit auf den Grund gehen zu können. Nicht umsonst steht auf dem Tempel in Delphi die Aufschrift „Erkenne Dich selbst“.
Die Selbsterkenntnis nach Sokrates beruht darauf, dass man hinsichtlich seiner Person eine genaue Untersuchung vornehmen sollte, um sich so seinen Stärken und Schwächen zu konfrontieren. Diese Selbsterkenntnis soll auch vor einer Selbsttäuschung bewahren, denn erst dann kann man die Brauchbarkeit seines menschlichen Lebens gezielt einsetzen, das heisst, von seinen Kräften profitieren, seinen Ängsten ins Auge schauen und an seinen Schwächen arbeiten.
Wenn wir es schaffen, uns selbst zu erkennen, so erkennen wir auch unser Gegenüber.
Sokrates war der Meinung, alle Fehlgriffe gegenüber seinen Mitmenschen sind auf eine Unter- oder Überschätzung seiner Person selbst zurückzuführen.
Es ist ein täglicher oder eher minütlicher Prozess, der uns dazu auffordert, unsere Gedanken, Wünsche und Erwartungen immerwährend zu reflektieren.
"Mein Bester, vergiß nicht, dich selbst zu erkennen, und mache nicht den Fehler, den die meisten Menschen machen! Denn die meisten sind darauf aus, vor den Türen anderer zu kehren und kommen nicht dazu, vor ihrer eigenen zu kehren. Versäume also dieses ja nicht, sondern bemühe dich vielmehr, auf dich selbst zu achten." (Xenophons Erinnerungen an Sokrates)
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