Epikur und die Lust zum Minimalismus
Epikur (342 - 270 v. Chr.), der griechische Philosoph und Denker, wandte sich der Philosophie schon frühzeitig zu.
Er schrieb zahlreiche Bücher und Abhandlungen zu seiner Auffassung der Glückseligkeit, die leider über die Jahre verloren gegangen sind.
Epikur wird die Lehre der Lust nachgesagt, die oft missverstanden und mit dem Streben nach Materialismus und ausgiebigem Leben in Verbindung gebracht wird.
In diesem Zusammenhang kursierten in seinem Namen üble Nachrede in Form von obszönen Briefen. Ebenfalls wurden Änderungen an seiner wahren Lehre von seinen Mitstreitern öffentlich gemacht, die zu Verzerrungen seines gesamten Bildes führten.
Zu meiner Recherche habe ich mich dem Buch „Epikur, Wege zum Glück" (Anaconda Verlag, 2011) bedient, in dem Auszüge seiner Schriften und Zitate zusammengefasst wurden.
Ich fasse die Lehre von Epikur folgendermaßen zusammen:
Die Lust nannte Epikur Anfang und Ende des glückseligen Lebens
Wie lautet die Anfangsfrage jeder Studie über die Philosophie:
Warum suchen wir den Rat der Philosophen auf? Warum lesen wir die alten Schriften, um mehr über unsere Seele zu erfahren? Warum leiden wir und wie gelangen wir an Ruhe und Glück?
Was ist Begierde und was stürzt uns in unser Verderben?
Epikur sah als Aufgabe der Philosophie an folgendes zu verstehen:
Was sind die wahren Bedürfnisse des Menschen und wie können wir diese von den von uns selbst auferlegten trügerischen Bedürfnissen unterscheiden?
Nicht jeder innere Impuls einer Begierde muss gestillt werden, sondern man sollte hier die Vernunft mitsprechen lassen, die dem Menschen helfen soll, diese spontanen Impulse zu hinterfragen.
Aus seinem Leben wissen wir, dass Epikur kein großes pompöses Haus besaß, er nahm keine üppigen Speisen zu sich und hatte keine großen Reichtümer angesammelt. Er lebte minimalistisch und genügsam und genau das war für ihn lustvoll, denn nicht die Quantität erzeugte nach seiner Lehre das Glück, sondern die Qualität der einzelnen Güter.
Dazu wurde aus den Gnomologium Vaticanum überliefert:
„Wem das genügt, was wenig ist, dem genügt niemals etwas“
Aus seinen Schriften möchte ich auf 3 wichtige von ihm definierte Punkte eingehen, die er immer wieder betont:
1. FREUNDSCHAFT
Freundschaft war für ihn eines der höchsten Güter. Nach seiner Überlieferung solle man darauf achten nicht alleine zu speisen, denn gute Gesellschaft ist ein wichtiger Gewinn im Leben.
Er sagt ebenfalls „Wir brauchen nicht so sehr die tatsächliche Unterstützung seitens unserer Freunde als vielmehr das Vertrauen, dass sie uns bei Bedarf unterstützen würden.“ Gnom.Vat.Ep.34
Freundschaft war für ihn purer Lustgewinn schlechthin, denn in den Freunden erst erkennen wir uns selbst und nehmen wahr, dass wir existieren und Gesagtes einen Anklang bekommt.
Die Anteilnahme eines Freundes hilft uns, bei uns selbst zu bleiben und uns selbst zu spüren, wenn Vertrauen herrscht und dies Sicherheit gibt.
Im Umkehrschluss ist für Epikur Lust die Erlösung vom körperlichen und seelischen Schmerz.
Und wir reden hier nicht von oberflächlichen Freundeskreisen, die uns trotz der Menge der Menschen einsam fühlen lassen. Im Gegenteil, hier geht es um wahre Freundschaft. Freunde, die an unserem Innenleben interessiert sind und nicht an unserem Äußeren.
Es ist schwer im Leben auch nur einen, gar zwei gute Freunde zu haben, die für einen da sind, weil eine vertrauensvolle Basis herrscht.
Diese Anerkennung und dieses Schätzen eines Freundes beschert den Menschen innerlich Glück.
Viele Menschen versuchen Anerkennung erst durch das Streben nach materiellen Gütern zu erlangen.
Sieht er mich, wenn ich eine Prada Tasche trage? Oder hat er schon mein neuestes Auto wahrgenommen?
Man erschafft sich Respekt und Beachtung von Menschen, für die wir nicht von Bedeutung sind - und ist das der Nebenschauplatz von Materialismus? Sollten wir nicht unsere Energie darin investieren, die Freundschaft zu pflegen oder gar erst zu gewinnen?
2. FREIHEIT
Wenn man sich Epikurs Biographie durchliest, so hat er seine Anstellung aufgegeben, um in Freiheit zu leben, das heisst, mit weniger Geld und Einnahmen, aber dafür nach eigenen Regeln, manifestiert in einem Gemeinschaftsleben mit Freunden und einem eigenen Garten für das leibliche Wohl, welches gleichzeitig auch als Naturoase und Meditationsraum diente.
Nach diesem oben beschriebenen Bild sehnt man sich oft: Wer wünscht sich nicht diese Art von Freiheit? Die Yogaräume in der Stadt sind voll, jeder kämpft im Sommer um ein Stückchen Rasen in der Stadt, oder man fährt in einer vollgestopften Bahn in Richtung Natur. Dabei ist es genau das, was wir im Grunde suchen. Ruhe & Natur, gute Gesellschaft und gutes Essen.
In der Neuzeit und in diesem schnelllebigen Lifestyle hat die Freiheit einen anderen Preis. Das, was Epikur beschreibt, ist für mich das klassische Aussteigen aus der Gesellschaft. Ich bewundere jeden, der den Mut dazu hat. Ich habe ihn leider noch nicht, aber versuche die epikureischen Regeln in meinem Lebensstil einzubauen.
Der nächste Punkt auf den er eingeht ist die:
3. BESINNUNG
Was machen wir, wenn wir voller Sorge und Kummer sind? Und was heisst konkret Besinnung?
Im Klartext: Denke über deine Sorge nach und frage dich, woher diese Verwirrung oder dieser Missmut kommt.
Schreibe diese Geschehnisse und Gefühle nieder. Dies soll dir helfen, die Situation besser einzuschätzen und dich im Innern zu sortieren.
Wenn wir uns nach Epikur noch der Natur bedienen, das heisst, das Nachdenken in der Natur vollziehen, so gibt uns das Kraft und Klarheit.
Wenn man meinen anderen Artikel zu Natur und Wald liest, so kann ich das nur bestätigen. Die Natur verschafft Klarheit.
Aber kommen wir wieder zurück zu Epikurs Ansichten, so war er nicht gegen Materialismus und Luxus, war aber der Meinung, dass es die Menschen nicht wirklich glücklicher machen kann, wenn er NUR Geld besäße. Und andersrum würde es die Menschen auch nicht unglücklich machen, wenn sie Freunde hätten, aber kein Geld.
Epikur sagt auch, dass die natürlichen Bedürfnisse des Menschen glücksbringend sind:
Freunde, Freiheit, Besinnung, Nahrung, Obdach, Kleidung.
Wenn wir uns den epikureischen Zusammenhang zwischen Glück und Geld anschauen,
so wird folgendes deutlich:
1. Geld ist schon bei kleinen Einkünften zufriedenstellend und bei größeren Geldausgaben ist das Glücksgefühl dazu nicht stärker ausgeprägt
2. auch wenn wir große Summen ausgeben, so erfreuen wir uns an den Dingen, aber Epikur ist der Überzeugung, dass das Glücksgefühl durch die Höhe der Summe nicht steigen wird.
3. Das Geld sollte da sein, um die natürlichen Bedürfnisse abzudecken, um so nicht zu leiden oder Schmerz zu empfinden.
Epikur empfiehlt, bei jedem Kauf folgende Frage zu stellen:
Was geschieht mir, wenn die Begierde erfüllt wird und was wenn nicht?
Wie ging es mir ohne diesen Kauf und war ich in dem Zustand vorher nicht auch glücklich?
Mir persönlich helfen diese Fragen bei jedem Kaufrausch und jeder Kaufabsicht. Sie befreien mich von dieser Abhängigkeit.
Mir hat die Studie von Epikur sehr geholfen, zu unterscheiden, was brauche ich wirklich und was ist mir im Leben wichtig?
Schon allein das Gedankenmuster aufzubauen, sich bei jedem Kauf zu fragen, in wieweit steht dieses Gekaufte in Relation zu meinem Glück, besinnt innerlich auf das Wesentliche.
Wenn ich zurückdenke, so denke ich nicht an meine materiellen Dinge, die ich mir mit viel Sparen erworben habe, sondern es sind die Erinnerungen an schöne Orte mit Freunden, das Erlebte, die Urlaube, die Begegnungen mit Menschen, die mich in Nostalgie schwelgen lassen.
Ich habe in diesem Artikel versucht, das Wesentliche seiner Lehren aus der Ethik zusammenzufassen, hierbei ist seine Naturphilosophie nicht abgedeckt. Ich werde dies in einem separaten Artikel erläutern.
Ich hoffe, dieser Artikel hat Euch gefallen und ich freue mich auf regen Gedankenaustausch.